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Eine Melodie als Einstieg, eine Klangwelt, die sich stetig wandelt. Folgen Sie Wilco von den frühen Alben über Summerteeth und Yankee Hotel Foxtrot bis hin zu Cruel Country.

7 MIN READ WORDS BY SJELF.
Jeff Tweedy van Wilco zingt met een akoestische gitaar en hoed tijdens het 80/35-festival in Des Moines op 10 juli 2015.

BILDNACHWEIS: Justin Norman (Shrieking Tree), via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0. Für die Darstellung verkleinert und je nach Bildschirm zugeschnitten. Der Zuschnitt unterliegt derselben Lizenz.

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EIN SONG KANN MEHR ALS EINE FORM HABEN.

Bei Wilco kann eine einfache Melodie die Tür zu einer Umgebung öffnen, die weit weniger einfach ist. Jeff Tweedy singt eine Zeile ganz nah, während sich um ihn herum Klänge zu bewegen beginnen, die die Sicherheit dieser Zeile verändern. Das muss den Song nicht komplizierter machen. Es kann gerade dabei helfen, zu hören, wie viel Zweifel, Wärme oder Unruhe in eine wiedererkennbare Melodie passt. Die Band hält die Form fest und lässt gleichzeitig deren Ränder verschwimmen.

Deshalb ist es interessant, Wilco über verschiedene Alben hinweg zu verfolgen. Eine Akustikgitarre kann in der einen Umgebung ein vertrauter Mittelpunkt sein und auf der nächsten Platte neben einem unerwarteten Klang stehen. Eine lange instrumentale Passage kann Spannung aufbauen, doch ein kurzer Popsong kann ebenso viel Bedeutung tragen. Die Frage ist immer, was der Song braucht. Hören Sie nicht nur auf den Moment, in dem etwas Ungewöhnliches passiert, sondern auch darauf, wie die Band Sie danach wieder zur Melodie zurückbringt.

VON UNCLE TUPELO ZU EINER EIGENEN ROUTE.

Tweedy gründete Wilco 1994 nach der Auflösung von Uncle Tupelo. Das Debüt A.M. erschien 1995, gefolgt von Being There im Jahr 1996. Diese frühen Platten bieten einen Einstieg in die Wurzeln der Band, zeigen aber auch, dass eine vertraute Songform kein Endpunkt sein muss. Country, Rock und Pop können nebeneinander existieren, ohne dass jedes Stück dasselbe Verhältnis nutzt. Die Stimme von Tweedy hilft dabei, diese verschiedenen Bewegungen miteinander zu verbinden.

Being There ist eine gute Platte, um sich auf die Skalierung zu konzentrieren. Ein Song kann direkt beginnen und später viel mehr Raum einnehmen, als man anfangs erwartet. Das macht das Album geeignet, um es neben spätere Werke zu legen. Die Band muss eine Melodie nicht aufgeben, um weiterzusuchen. Manchmal genügt es, dass die Begleitung länger nachhallt, ein Instrument anders reagiert oder eine Stimme nicht genau an der naheliegendsten Stelle zurückkehrt. So wird ein bekannter Song zu einer Umgebung, in der man sich immer wieder umschauen kann.

SUMMERTEETH: GLANZ MIT EINEM SCHATTEN.

Auf Summerteeth aus dem Jahr 1999 erhalten die Songs viel melodische Farbe. Can’t Stand It und der Titelsong bieten einen direkten Einstieg; How to Fight Loneliness lässt eine andere Nähe spüren. Die Arrangements können hell und einladend werden, ohne dass der Erzähler vollkommen zur Ruhe kommt. Achten Sie auf den Unterschied zwischen dem ersten Eindruck eines Refrains und der Art und Weise, wie die Stimme die Zeilen darum herum vorträgt. Dieser Unterschied verleiht der Platte ihre Spannung.

Ein zweiter Hördurchgang kann gerade bei den Details beginnen. Welcher Klang bleibt stehen, wenn die Melodie weitergeht? Wo bekommt der Gesang Begleitung, und wann steht er allein? Summerteeth zeigt, wie eine Band einen Song ausbauen kann, ohne dass alle Teile dieselbe Geschichte erzählen. Die eine Schicht sorgt für Glanz, die andere lenkt die Aufmerksamkeit auf etwas Unangenehmes. Das ist ein hilfreicher Zugang zu Wilco: Eine schöne Melodie bedeutet nicht automatisch, dass innerhalb des Songs alles an seinem Platz ist.

YANKEE HOTEL FOXTROT: DER SONG BLEIBT HÖRBAR.

Yankee Hotel Foxtrot erschien 2002 bei Nonesuch, nachdem Reprise beschlossen hatte, das Album nicht zu veröffentlichen. Wilco hatte das Album bereits 2001 über die eigene Website zugänglich gemacht. Diese Geschichte ist bekannt, doch die Musik verdient mehr Aufmerksamkeit als nur der Konflikt um die Veröffentlichung. I Am Trying to Break Your Heart beginnt mit einer Umgebung, in der verschiedene Klänge ihre eigene Richtung zu suchen scheinen. Innerhalb dessen bleibt ein Song erkennbar.

Kamera bietet einen kompakteren Einstieg, Jesus, Etc. eine andere melodische Wärme und Heavy Metal Drummer eine direkte Bewegung. Dadurch enthält die Platte weit mehr als nur eine Art von Experiment. Wilco nutzt das Album, um verschiedene Abstände zum Erzähler auszuloten. Manchmal ist die Stimme ganz nah, manchmal scheint die Umgebung mehr Raum für sich zu beanspruchen. In unserer Album Story über Yankee Hotel Foxtrot folgen wir den elf Songs bis zum langen Finale Reservations. Die Reihenfolge macht ihre Unterschiede bedeutungsvoller.

A GHOST IS BORN: ZEIT ALS TEIL DER MUSIK.

Auf A Ghost Is Born von 2004 nutzt Wilco Länge und Wiederholung auf andere Weise. At Least That’s What You Said lässt einen verhaltenen Beginn zu einer größeren instrumentalen Bewegung anwachsen. Spiders (Kidsmoke) gibt einem Muster Zeit, sich festzusetzen und danach zu verändern. Es ist Musik, bei der die Dauer einer Passage zum Teil der Spannung wird. Ein Song muss nicht bei jeder Wiederholung sofort etwas Neues bieten, um voranzukommen.

Gleichzeitig bleiben melodische Einstiege erhalten. Hummingbird vermittelt eine andere Form der Bewegung, und Handshake Drugs macht sein eigenes Verhältnis zwischen Halt und Unruhe hörbar. Das Album wird interessanter, wenn man diese Unterschiede nebeneinander bestehen lässt. Wer nur auf die langen Passagen achtet, verpasst, wie die kürzeren Songs den Maßstab verändern. Wer nur die zugänglichsten Melodien verfolgt, verpasst, wie viel Bedeutung in einem gedehnten Übergang stecken kann. Die Band gibt beiden Hörhaltungen einen Platz auf demselben Album.

ZUSAMMENSPIEL WIRD ZUM EIGENEN KLANG.

Ab 2004 formierte sich die Besetzung mit Tweedy, John Stirratt, Glenn Kotche, Mikael Jorgensen, Nels Cline und Patrick Sansone. Auf Sky Blue Sky von 2007 und The Whole Love von 2011 kann man ein anderes Verhältnis zwischen den Instrumenten verfolgen. Eine Gitarrenlinie muss die Melodie nicht verdoppeln, um den Song zu stützen. Sie kann auf ein rhythmisches Detail reagieren, eine offene Stelle füllen oder auch einmal nichts hinzufügen. Das macht das Zusammenspiel lohnenswert, um es separat zu hören.

Achten Sie zum Beispiel auf den Raum zwischen einer Gesangszeile und dem Einsatz eines Instruments. Eine kleine Antwort kann die Stimmung verändern, ohne dass der Song einen neuen Teil braucht. Wilco klingt dadurch nicht auf jeder Platte gleich, bleibt aber in der Aufmerksamkeit für solche Beziehungen stets erkennbar. Die Stimme ist wichtig, und die Umgebung um sie herum kann sie jedes Mal anders wirken lassen. Das ist auch der Grund, warum ein Album immer wieder zu weiteren Hördurchgängen einlädt: Man kann dasselbe Lied jedes Mal von einer anderen Ebene aus verfolgen.

DIE FAKTEN

KÜNSTLERWilco
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DISKOGRAFIE.

Eine Auswahl aus dem Repertoire von Wilco. Folgen Sie den Albumlinks zu den jeweiligen Platten oder Stories.

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