ARTIST STORY
GOTYE.
Ein Welthit kann so groß werden, dass der Macher dahinter aus dem Blickfeld gerät. Bei Gotye beginnt die Geschichte gerade mit der Neugier: auf Stimmen, Rhythmen und kleine Klangfragmente, die zusammen etwas Neues ergeben können.
IMAGE CREDIT: Eva Rinaldi, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0. Gotye bei den ARIA Chart Awards in Sydney, 10. August 2012. Die Quelldatei wurde bereits zugeschnitten; die Website kann das Bild responsiv zuschneiden. Abgeleitete Bildversionen unterliegen derselben Lizenz.
DER MACHER HINTER DEM REFRAIN.
Bei manchen Künstlern gehört ein ganzes Repertoire zur ersten Begegnung dazu. Bei Gotye ist für viele Menschen ein Lied die Eingangstür: Somebody That I Used to Know, mit Kimbra. Ein Song, den man vielleicht im Auto hörte, auf einer Party oder jahrelang überall gleichzeitig. Doch ein bekannter Refrain erzählt nicht die ganze Geschichte der Person, die ihn erschuf.
Gotye ist das Projekt von Wouter De Backer, auch bekannt als Wally. Er wurde in Belgien geboren und wuchs in Australien auf. In der Beschreibung seines Labels Lucky Number stehen drei Rollen nebeneinander: Sänger, Songwriter und Sampler. Letzteres ist ein wunderbarer Schlüssel. Musik entsteht hier auch durch das Zuhören dessen, was bereits existiert, und die anschließende Suche nach einem anderen Zusammenhang.
MUSIK ALS SAMMLUNG VON MÖGLICHKEITEN.
Ein Sample kann eine Melodie tragen, aber auch nur eine Farbe oder einen Rhythmus verleihen. Ein kurzes Fragment kann vertraut klingen und doch eine andere Bedeutung erhalten, sobald eine Stimme oder ein zweiter Klang hinzukommt. Bei Gotye ist dieses Sammeln kein bloßer Trick, der über einem Song liegt. Es gehört zur Art und Weise, wie ein Song entstehen kann.
Man muss die Herkunft jedes Klangs nicht kennen, um Freude daran zu haben. Versuchen Sie einmal, ein Lied in zwei Durchgängen zu hören. Folgen Sie zuerst dem Gesang. Wählen Sie danach ein kleines Element in der Begleitung aus und achten Sie darauf, wann es wiederkehrt oder verschwindet. So wandelt sich das Hören vom bloßen Erkennen eines Refrains hin zum Verfolgen eines Arrangements.
VOR MAKING MIRRORS.
Vor dem Welthit gab es bereits Boardface und Like Drawing Blood. Die Labelbiografie beschreibt, wie De Backer eigenständig arbeitete und wie wichtig das Zusammenstellen von Klängen für diese zweite Platte war. Die Veröffentlichung fand später auch ein Publikum außerhalb Australiens. Seine Geschichte beginnt also lange vor dem Moment, in dem fast jeder seinen Namen kannte.
Wer zurückhört, muss diese frühen Platten nicht nur als Vorbereitung auf einen späteren Erfolg betrachten. Sie sind auch eine Begegnung mit einem Macher, der seine eigene Arbeitsweise erforscht. Hören Sie sich zum Beispiel Hearts a Mess oder Learnalilgivinanlovin an und stellen Sie eine einfache Frage: Was zieht Ihre Aufmerksamkeit auf sich, wenn Sie noch nicht nach etwas suchen, das diesem einen Hit ähnelt?
EINE STIMME ERHÄLT EINE ANTWORT.
In Somebody That I Used to Know ändert sich die Situation, wenn Kimbra antwortet. Man hat bereits eine Perspektive gehört; dann tritt eine zweite hinzu. Das macht das Duett auch bei mehrmaligem Hören interessant. Hören Sie nur einen Austausch von Vorwürfen, oder ändert sich Ihre eigene Position als Hörer währenddessen?
Lassen Sie bei einem nächsten Durchgang den Text einmal ruhen und verfolgen Sie den Aufbau. Was kommt hinzu, was bleibt klein und wo erhält eine Stimme plötzlich mehr Gewicht? Ein Lied, das überall erklungen ist, kann wieder ganz nah werden, sobald man eine konkrete Entscheidung hört. Nicht weil es plötzlich ein anderes Lied ist, sondern weil Sie anders zuhören.
DER REST DES SPIEGELS.
Making Mirrors bietet mehr als das bekannte Duett. Die zwölf Songs reichen vom kurzen Titelstück über Eyes Wide Open und State of the Art bis hin zu Bronte. Für diese Höreroute ist die ursprüngliche Reihenfolge der Ausgangspunkt. Lassen Sie ein Lied erst enden, bevor Sie sich für das nächste entscheiden.
Vier Plattenseiten bieten dabei vier natürliche Pausen. Das muss kein Urteil über bessere Klangqualität sein. Es ist vor allem eine andere Aufmerksamkeitsverteilung: kurz aufstehen, umdrehen und neu beginnen. Wer die Platte bereits kennt, kann sich für jede Seite ein Detail aussuchen, das bisher der Aufmerksamkeit entgangen ist. Wer sie zum ersten Mal hört, darf auch einfach dem folgen, was hängen bleibt.
EINE OFFENE TÜR ZUM KATALOG.
Im Jahr 2026 bestätigt Gotye auf seiner Website die Vinyl-Neuauflage von Making Mirrors. Er meldet zudem, dass er seinen übrigen Katalog für Vinyl vorbereitet. Das ist ein konkreter Anlass, wieder reinzuhören, ohne sich sofort ein neues Studioalbum oder eine Tour dazu auszudenken.
Bei SJELF ist die angekündigte farbige 2LP als PRE-ORDER erhältlich. Der NEWS-Beitrag zur Neuauflage listet die Veröffentlichungsdaten auf. Diese Künstlergeschichte lädt Sie vor allem dazu ein, den Macher hinter dem bekannten Lied neu zu entdecken. Beginnen Sie, wo Ihre Neugier geweckt ist. Den Refrain kennen Sie vielleicht schon; der Rest verdient denselben Raum.
THE FACTS
DISKOGRAFIE.
Drei Studioalben zum Durchhören. Nur die unten verlinkte Ausführung ist bei Veröffentlichung in unserem Sortiment verfügbar.
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01Boardface
Der Anfang des Soloprojekts.
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02Like Drawing Blood
Ein weiterer Zugang zu seiner Arbeit mit Samples und Melodien.
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03Making Mirrors
Die Platte hinter Somebody That I Used to Know. Die verlinkte 2LP ist ein PRE-ORDER.
FAQ ZU GOTYE.
Wer ist Gotye?
Gotye ist der Künstlername von Wouter „Wally“ De Backer, einem in Belgien geborenen und in Australien aufgewachsenen Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalisten.
Mit welchem Album kann ich beginnen?
Making Mirrors ist ein zugänglicher Einstieg. Hören Sie nach dem Duett mit Kimbra auch Eyes Wide Open, State of the Art und Bronte. Gehen Sie danach zurück zu Like Drawing Blood.
Ist die Neuauflage ein neues Album?
Nein. Die angekündigte Jubiläumsausgabe bringt Making Mirrors erneut auf Vinyl heraus. Die aktuellen Veröffentlichungsdaten stehen in den NEWS und auf der Produktseite.
Ein Welthit ist eine Eingangstür. Geben Sie auch der Musik drumherum die Chance, vertraut zu werden.
Quellen: Lucky Number — historische Label-Biografie, Universal Music — Künstlerbiografie, Gotye — aktuelles Update und Universal / The Sound of Vinyl — Tracklist und Jubiläumsedition. Fakten geprüft am 19. Oktober 2026. Die Höreroute und Erläuterungen stammen von SJELF.